kurz&knapp-Bericht „Kultureinrichtungen und Klima”
Der Bericht (Titel: „Wie kommt das Publikum in die Kultureinrichtung – und zu welchem Preis fürs Klima? Der CO₂-Fußabdruck des Publikums und Perspektiven für eine nachhaltigere Publikumsmobilität”) zeigt, wie sich der CO₂-Fußabdruck von Besuchenden von Kultureinrichtungen mithilfe von Publikumsbefragungen erfassen lässt. Auf Basis der Daten aus dem KulturMonitoring (KulMon) werden Mobilitätsmuster verschiedener Besuchsgruppen sowie Unterschiede zwischen Sparten untersucht und zentrale Potenziale für eine klimafreundlichere Publikumsmobilität aufgezeigt.
Zentrale Ergebnisse
- Die Anreise des Publikums ist der größte Hebel für eine klimafreundlichere Kultur. Verlässliche Mobilitätsdaten fehlten jedoch oft. Seit 2025 schließt das Besuchendenmonitoring KulMon diese Lücke. Mit KulMon werden Daten zum Kulturpublikum erfasst und kontinuierlich CO₂- und Anreisedaten bereitgestellt, um Maßnahmen für eine nachhaltige Publikumsmobilität zu ermöglichen.
- Berlin hat eine starke Basis für nachhaltige Kulturmobilität – vier von fünf Berliner*innen reisen klimafreundlich zu Kulturveranstaltungen an. Dennoch gibt es ungenutztes Potenzial, denn rund 17 % der lokalen Besuchenden kommen mit dem Auto. Dieser Anteil bildet den größten Hebel zur Senkung der CO₂‑Emissionen innerhalb der Berliner*innen im Publikum.
- Für den inländischen Tourismus nach Berlin ist die Bahn das wichtigste Verkehrsmittel. Dennoch reist gut ein Drittel der Gäste mit dem Auto an. Gerade sie geben häufig an, dass der Kulturbesuch der Hauptanlass für ihren Berlinbesuch ist. Da viele nur deswegen anreisen, entsteht ihre Reise zusätzlich. Wenn sie klimafreundlicher unterwegs wären, ließen sich hier viele CO₂-Emissionen einsparen.
- Ein Blick auf die Branchen zeigt unterschiedliche Potenziale zur Senkung von CO₂-Emissionen. Für Museen und Gedenkstätten ist die Anreise internationaler Gäste besonders relevant: Sie haben einen hohen Anteil touristischer Besuche, und über 60 % der Besuchenden aus dem Ausland reisen mit dem Flugzeug an. Theater und Tanz haben mit 26 % den geringsten touristischen Anteil und damit den niedrigsten durchschnittlichen CO₂-Ausstoß je Besuch.
- Bei Veranstaltungen der klassischen Musik (darunter unter anderem auch Oper) stellen sowohl das internationale Publikum – von denen ebenso über 60 % per Flugzeug anreisen – als auch die innerstädtische Mobilität des lokalen Publikums eine besondere Herausforderung für ihre CO₂- Bilanz dar. Rund ein Viertel der Berliner*innen kommt mit dem Auto oder dem Taxi, der höchste Wert im Branchenvergleich.
- Viele Berliner*innen sind offen für mehr Klimaschutz, wissen um die Notwendigkeit eigener Verhaltensveränderung und erwarten auch Engagement von Kultureinrichtungen in diesem Handlungsfeld. Kombi-Tickets mit ÖPNV stoßen auf breite Zustimmung. Das sind gute Voraussetzungen für den Kulturbereich, um klimafreundliche Publikumsmobilität gezielt zu stärken.